Carpe diem hieß es damals so schön in der Zeit des Barock- nutze den Tag. Denn das Leben ist eine unendliche Achterbahn, das einen an der einen Ecke erschreckt und einen an einer anderen mit einem Wunder überrascht. Unendlich im abstrakten, und doch so vergänglich. Wir sind jung und frei, folgen unserem eigenen Weg mit Höhen und Tiefen, müssen Entscheidungen bei Wegabzweigungen treffen und aus Sackgassen wieder hinausfinden. Oft ist es leichter, oft aber auch schwerer. Und auch dann sollte man nie vergessen, dass man im Hier und Jetzt lebt, nicht im Gestern oder im Morgen!!

Mittwoch, 17. August 2016

Fort von hier

Langsam setzen wir uns in Bewegung. Langsam. Aber sicher.
Ich will fort von hier.
Gewohntes hinter mir und Schmerzhaftes ganz loslassen. Um mich herum sind gleise und Schienen. Sie führen in fremde Länder, in fremde Städte, in denen fremde Menschen fremde Sprachen sprechen, fremde Kulturen leben und fremde Dinge essen.
Die Fremde. Überall nur nicht hier. Hier kenne ich jeden Stein. Jeden Baum.
Überall sind Erinnerungen, die sich wie dunkle Schlingpflanzen um mich winden, mich zu fangen, zu erdrücken versuchen und mir dabei zuflüstern, was mal war und nicht mehr ist.
Ich will mich nicht auf ihre Seite ziehen lassen.
Ich will fort von hier.
Ein Passagier hinter mir fragt mich nach einem Schluck Wasser, l'eau, water.. Ich gebe ihm einen ab.
Ich bin auch durstig.
Ich dürste nach der Fremde, der Sonne, dem Meer und der weiten Ferne, die mich zu rufen scheint.
Ich dürste nach der Liebe, der Geborgenheit, dem Frieden und der Leichtigkeit des Lebens, die ich so bitter nötig habe.
Ich dürste nach der Konzentration, dem Mut, dem Fokus und die Kraft zum Kämpfen, die ich irgendwo versteckt in mir trage.
Ich dürste nach Ruhe und dem traumlosen Schlaf, der mir in letzter Zeit so gefehlt hat.
Ich drücke mein Kissen zwischen Sitz und Fenster und beobachte die vorbeiziehende Landschaft.
Dunkelgrüne Pinien vor einem Himmel, der in blutigem Abendrot glüht.
Dunkle Hoffnung eines Neuanfangs vor all dem Schmerzes, den ich erleide.
Ich will fort von hier.
Mehr nehme ich nicht wahr.
Ich wünschte, ich könnte mit jedem zurückgelegten Kilometer einen Tag in der Zeit weiterreisen. In die Fremde. In die Ungewissheit. In die Zukunft. In die Zeit, in der die Zeit alle Wunden geheilt hat.
Und so liege ich hier, starre zum fernen Horizont und hoffe sie lernt, vorbeizufliegen, wie ein Vogel vom Wind getragen.
Ich will fort von hier.
So wie der dunkle Sandboden draußen grün und saftig wird, soll meine Angst zu Stärke werden.
So wie die rot glühenden Strahlen hinter den Pinien zu leuchtendem himmelblau werden, soll der Schmerz in meinem Innersten zu Leichtigkeit werden. Es soll sich endlich etwas ändern.
Ich will nur fort von hier.
Ich glaube daran, dass dieser Zug mich an einen Ort bringt, wo mich die Schlingpflanzen nicht erreichen, dass mein Durst gestillt werden kann, dass die Zeit Flügel bekommt und mich wegbringt. In die Fremde, In die Ungewissheit. Ich glaube daran.
Ich kann fort von hier.
 

Dienstag, 26. Juli 2016

Flüchten oder Kämpfen?

Ich fühle den Schmerz. In mir zieht sich alles zusammen und ich möchte die Tropfen meiner Traurigkeit freilassen... doch ich kann nicht.

Ich fühle den Schmerz. In mir zieht sich alles zusammen und ich möchte die dunklen Flammen der Wut freilassen... doch ich kann nicht.

Ich fühle den Schmerz. In mir zieht sich alles zusammen und ich möchte den Druck der Enttäuschung, der auf mir lastet, freilassen... doch ich kann nicht.

Ich fühle den Schmerz. Ich sitze bloß da, bin traurig, wütend, enttäuscht und trotzdem regungslos..

Ich fühle den Schmerz. In meiner Leere, ist er das einzig Erfüllende. In meiner Stille ist er wie ein stummer Schrei, nicht zu hören und doch herzzerreißend.

Flüchten oder Kämpfen? Hin und Her gerissen. Wie angewurzelt und unfähig eine Entscheidung zu treffen.

Ich fühle den Schmerz. Meine Beine scheinen mich nicht tragen zu können. Meine geballten Fäuste bewegen sich keinen Millimeter. Mein Wille hat nicht die Kraft, meinem Körper Befehle zu erteilen.

"Mach mit deinem Leben weiter. Bleib in Bewegung" sagen sie.
"Komm drüber weg. Andere Mütter haben auch schöne Söhne" sagen sie.
"Wenn du traurig bist, dann hör auf traurig zu sein!" sagen sie.

Für euch ist das alles leicht gesagt... in Bewegung bleiben...
Mit der Stärke, die ich habe, versuche ich es jeden Tag.
Ich renne, ich trete, ich boxe, ich schlage, ich skate, ich boarde, ich spanne alle meine Muskeln an.
Ich fühle den Schmerz.

Aber ist es nun Flüchten oder Kämpfen?

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Dienstag, 7. Juni 2016

unaufhaltsam



Und wieder einmal stürmen sie auf mich zu.
ich kenne sie inzwischen schon. sie gehören mir.
niemand hat sie aufgehetzt.
sie wüten aus eigenem Willen. ich bin ihr Ziel.

wie in Zeitlupe kommt es mir vor.
wild. stark. unaufhaltsam.
sie wirbeln mit ihrer Kraft Wüstensand auf.

und plötzlich der Schmerz.
schwere Hufe prasseln auf mich ein.
treten mich zu Boden.

Jeder Tritt ist anders und trotzdem sind sie alle gleich:
sie treffen mich
sie hinterlassen Wunden, Schnitte, Narben.

Die meisten kommen wieder zurück.
dann -irgendwann- sind sie fort.

ich will aufstehen... suche nach der nötigen Kraft -vergebens
sie haben mich geschwächt, mich überrannt.
ich muss mich anstrengen, unter meinen gebrochenen Rippen zu armen

ich bleibe liegen. ich muss mich ausruhen.








Montag, 23. Mai 2016

aber das geht vorbei.

Tropf. Tropf. Eine nach der anderen fällt. Ich höre verstärkt wie sie aufkommen. Ich bin unter Wasser. Andere Geräusche nehme ich nur gedämpft wahr. Meine Umgebung sehe ich verschwommen. Aber klar höre ich sie. Die Stimmen meiner Gedanken, die mich umkreisen. Ich würde ihnen gerne ihre Mäuler stopfen, aber es geht nicht. Sie rufen, sie schreien, sie flüstern, sie murmeln. Ich höre sie alle klar. "Du bist nicht gut genug!" zischt die eine. "Was macht dich eigentlich aus?", "Was bist du wert?" fragt eine andere. "Du hast kein Talent, du bist nichts besonderes!" wirft mir eine an den Kopf. "Du gehörst nicht dazu!" faucht eine mich böse an.

Tropf. Tropf. Weitere fallen. Die, die ich so gern hören würde, haben wenig Kraft, werden übertönt sind ganz verstummt. Sie würden sagen: "Du weißt genau wer du bist!", "Du bist ein guter Mensch, eine gute Freundin, eine gute Tochter!", "Du bist eine starke, unabhängige, junge Frau!" Sie würden keine Fragen stellen.

Tropf. Tropf. Ich habe das Gefühl sie nicht mehr aufhalten zu können. Ich bin unter Wasser.
Ich bin in einer Gewitterwolke. Ich versuche mich in der Dunkelheit zurechtzufinden. Meine Umgebung sehe ich vernebelt. Sind die scharfen, leuchtenden Blitze eine Warnung? Eine Strafe? Ein Aufruf?  Ich bin verwirrt. Auch sie rufen nun wild durcheinander. Die Stimmen meiner Gedanken. Von allen Seiten schlagen sie auf mich ein, wie große Hagelkörner, die jedes Mal blaue Flecken hinterlassen. Ich versuche sie zu ordnen. Aber in diesem Sturm gelingt es mir nicht.

Mit einem Mal vertreibt die Sonne die Dunkelheit. Nun höre ich sie alle klar. Die Wunden, die sie hinterlassen haben, schmerzen immer noch, aber das geht vorbei.

Ich tauche auf. Ich schnappe gierig nach frischer Luft, die sofort in meine Lungen strömt.
Tropf. Die letzte fällt.







Freitag, 13. Mai 2016

Haben sie eine Bedeutung?

Wir haben sie alle. Jede Nacht. Mancher erinnert sich an sie. Mancher nicht. Ich meistens nicht. Haben sie eine Bedeutung, unsere Träume? Wenn Ja welche? Sagen sie uns Dinge über die Vergangenheit aus? Oder deuten sie an, was in der Zukunft passiert? Es gibt verschiedene Arten von Träumen: 
Den Verwirrenden: Bekanntes wird in einen komplett unlogischen, neuen Zusammenhang gebracht. 
Den Schönen: Dinge, die man sich schon lange gewünscht hat, gehen in diesem Traum in Erfüllung. 
Den Albtraum: Emotionen, wie Angst oder Panik begleiten den Traum... die eigene Innere Welt ist                              gezwungen, sich mit ihnen auseinander zu setzen..
Das Fallen: Man fällt, hat das Gefühl, den Untergrund zu verlieren und von der Schwerkraft in die                          Tiefe gezogen zu werden. Dieses Gefühl erschrickt einen so sehr, dass man aufwacht. 

Haben sie eine Bedeutung, unsere Träume? 
Sie bringen Vergessenes und Verdrängtes aus der Vergangenheit in die Gegenwart zurück.
Sie lassen uns das Jetzt aus neuen Perspektiven unseres Unterbewusstseins sehen.
Sie spiegeln unsere tiefsten Ängste. 

Menschen, die sich an sie erinnern, wünschen sich manchmal, sie würden es besser nicht. 
Aber jenem, die es nicht tun, würden sich selbst so gern besser kennen lernen. 

Dienstag, 26. April 2016

Donnerstag, 21. April 2016

ich bin wie der Mond

Der Mensch... der Mond...
ich habe das Gefühl, nur ich komme auf die Idee uns zu vergleichen... Ich vergleiche alles. Und jeden. Manches wird dadurch leichter. Manches nicht. Meine Gedanken kreisen um ihn, meinen Mond. Sie drehen sich um sich selbst... einer kommt, verweilt kurz, fliegt dann weiter... die meisten verweilen in meinem Kopf und setzen sich dort fest. Der eine ist wie eine Zecke und ich will ihn loswerden... er sitzt schon zu tief im Fleisch. Der andere ist wie Pfefferminze, Unkraut, das ich gern habe, das wuchert, aber trotzdem wohltut.
Jetzt kreisen meine Gedanken um ihn, meinen Mond, der mir so ähnlich ist, als wäre er mein himmlischer, dunkler Zwilling.
Himmlisch und dunkel.
Seine Oberfläche ist rau, voller Krater, die aus der Ferne auch Narben sein könnten. Manche verheilt. Manche nicht.
Dennoch hat er einen klaren Rand, man sieht genau, wo er sich von der Dunkelheit abgrenzt.
Er strahlt. Das tut er immer, nur manchmal umgeben ihn dunkle Wolken, die vermeiden, dass er versteht, wie weit er die Nacht erhellt. Das macht ihn traurig.
Ich weiß, der Mond kann nicht denken, also auch nicht verstehen. Aber ich.
Meine Oberfläche ist rau, voller Krater, die aus der Ferne auch Narben sein könnten. Manche verheilt. Manche nicht.
Auch wenn ich glaube, nicht zu wissen, wer ich bin und was mich ausmacht,
sieht man einen klaren Rand, wo ich mich von der Dunkelheit abgrenze.
Ich strahle. Das tu ich immer, nur manchmal umgeben mich dunkle Wolken, die vermeiden, dass ich verstehe, wie weit ich die Nacht erhelle. Das macht mich traurig.
Ich habe Stürme und Gewitter überstanden. Habe Narben davongetragen. Und doch strahle ich, mit all der Kraft, die ich in mir finde..., die andere mir geben.
Denn ich bin wie der Mond, ich strahle nicht ganz von allein.